Willst du Dornröschen sein?

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Ne. Wirklich nicht. Stell‘ dir das mal vor – 100 Jahre in einem Schloss, einem Turm eingesperrt und draußen geht das Leben so weiter. Bis du irgendwann vergessen bist. Die 100 Jahre schlafen wären dagegen in Ordnung. Meinetwegen auch der Prinz. Aber diese Märchen-Mädchen-Schublade! Ich wollte nie eine Prinzessin sein. Also fast nie. Konkret war ich einfach keine und viel zu pragmatisch, um mich diesem Wunschtraum hinzugeben.

Nun, trotzdem bleibt die Frage, warum dann ausgerechnet „dornroeschen“? Warum nicht viel eher Pocahontas? In erster Linie vermutlich, weil uns einige Assoziationen, die die Figur des Dornröschens hervorruft, mehr als gut gefallen haben. Auch als angehende Theologinnen, aber nicht nur.

Da ist natürlich das alte Spiel von Gut gegen Böse. Diese simple Lösung, die den (Un-)Tiefen des Lebens allenfalls oberflächlich und sehr undifferenziert begegnet. Und trotz dieser Plattitüden glauben Märchen an das Gute am Ende und zwischendrin. Lassen Hoffnung keimen. Zudem ist da der Prinz. Nur ein Prinz für zwei – einer bleibt vermutlich (erst mal) der Gaul. Das kommt aber natürlich auf den Prinzen an, wer sich für wen entscheidet.

Durchaus bewusst ist uns auch, dass die Rosenmetapher ihre abgegriffenen Ecken hat. Umberto Eco schreibt in seiner Nachschrift zu „Der Name der Rose“: „… denn die Rose ist eine Symbolfigur von so vielfältiger Bedeutung, dass sie fast keine mehr hat.“ Recht hat er. Und doch halten wir dieses Wort, den Neologismus des „Dornröschens“, der gleichzeitig ein Name ist, für brillant. „Dornenrosen“, kaum aufdringlicher könnte hier der Fokus auf dem verletzlichen, ja verletzenden sein. Nicht vorzustellen auch „Rosendornen“. Aber nein, ihrer Wortendung beraubt, wirken die Dornen gar nicht mehr so mächtig, fast vereinsamt. Hinzu kommt die Verkleinerungsform der Rosen. Der Zauber des Anfangs und die Verwundbarkeit des Kleinen werden ebenso deutlich wie die umwerfende Schönheit und der bezaubernde Duft, den die gerade aus der Knospe springende Blüte schon verströmt.

Rosen

Bei aller Affinität zum Prinzen (mit Gaul) – nein, wir wollen nicht Dornröschen sein. Und doch: Ein kleiner Stachel im Fleisch, der auf Missstände und Verletzlichkeit aufmerksam macht, ohne ernsthaft zu verletzen. Die Liebe, die so oft durch die Rose symbolisiert wird. Das Anfanghafte im Leben zweier Studierender. Die Hoffnung auf das Gute und Schöne, an der Rose und hinter der Hecke. Die Neugier auf das Leben nach dem Schlaf, den Platz in der Welt, der echten – nicht im Turmzimmer einer Theologischen Fakultät. Die Sehnsucht nach dem „2. Zeitalter“ und der unverstellten Liebe in der Welt, die Wahrheit „dahinter“. Ein seltsamer Schwebezustand zwischen den Welten und Zeiten. Nicht ganz da, nicht ganz dort.

Und letztlich eine große Portion Mut für volle Kraft voraus nach dem Märchen! Denn wenn sie nicht gestorben sind, so studieren sie noch heute.

Wir freuen uns über Mitleser, auf Wegbegleiter und das pralle Leben. Irgendwie.

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