Total irrelevant

Was soll ich noch sagen?

Wenn etwas zu Ende geht, kann man schon mal ratlos werden. Gehört habe ich schon einiges: Eine historische Aufstellung, wie alles begann, wo es Erfolge gab, wo es hakte; wer sich besonders verdient gemacht hat und wie. Beliebt sind darüber hinaus Statistiken; die Darstellung, welche Ziele man verfolgt habe; der Ausblick, was zu tun ist.

Irgendwie erscheint das völlig irrelevant für mich im Angesicht dessen, dass ich hier den letzten Blogeintrag der Dornroeschenwelt schreibe. Warum? Und was stattdessen?

Vielleicht ist der August der Monat, in dem man ins Grübeln kommt, was wichtig ist im Leben. Was ist Dir denn wichtig?

Schön ist es für mich, wenn ich früh aufwache und richtig wach bin. Wichtig ist das aber nicht. Wichtig ist, dass ich aufstehe, mich bewegen kann, ein Frühstück und einen Kaffee im Schrank habe, mich duschen kann und in Frieden in die Arbeit fahren darf.

Schön ist, wenn ich erfolgreich und kollegial mit anderen zusammen arbeiten kann. Es ist auch wichtig. Wichtiger sind aber die Kaffeepausen, die sich spontan ergeben, eine offene Türe, und noch wichtiger: Ein offenes Herz und ein herzliches Lachen.

Schön ist, wenn ich ab und an meine Ruhe habe. Wichtig ist mir dagegen, dass es jemanden gibt, der da ist, wenn ich nicht allein sein kann. Ob es ein Anruf bei der besten Freundin ist oder nach einer Höllenzeit im Studium nach Hause kommen, ein Bett und das Lieblingsessen bei Mama und Papa – das ist wirklich wichtig. Und wenn man vorher nicht gewusst hatte, dass man ein Lieblingsessen hat, dann weiß man es hinterher.

Schön ist, wenn sich Menschen in der Kirche engagieren, sie sich selbst als Kirche verstehen und zusammen am Reich Gottes mitarbeiten. Wichtig ist das auch. Aber wichtiger ist, dass es in der Kirche eine Atmosphäre gibt, die das auch ermöglicht. Dass es Räume und Spielwiesen gibt, nicht vorwiegend Verbote und Restriktionen. Dass es darauf ankommt, wer was kann und wer was will und nicht darauf, warum der oder die das nicht darf. Wichtig ist die Hoffnung, nicht das Geld, auch wenn Geld eine positive Zukunftsaussicht leichter macht. Aber ehrlich: Das Leben ist doch schön – von leicht ist da erstmal keine Rede.

Schön ist auch, wenn wir mehr Mitarbeitende in der Kirche haben, mehr „Berufungen“, mehr Studierende in den theologischen-pädagogischen Fachgebieten. Wichtig ist aber, die Menschen dahinter zu sehen. Menschen, die vielleicht nicht den perfekten Abschluss haben, aber ein Gespür. Ihnen sollten Wege zu öffnen sein, Möglichkeiten anzubieten, die realistisch sind und sie nicht weit über ihre Grenzen hinaus führen. Es ist so wichtig, dass diese Menschen positive Erfahrungen mit der Kirche machen können und ihre Visionen einbringen dürfen – auch in der Ausbildung. Es muss unser Interesse sein, sie zu begleiten, sie nicht nur als Material irgendwo zu verbauen, sodass die Lücken gestopft sind. Kommen wir dem nach, dass unser Gott jeden von uns wirklich ansieht und auch meint? Meinen wir jeden einzelnen unserer Mitarbeitenden? Und was wünschen wir uns für sie? Nicht nur von ihnen.

Scheinbar wichtig sind die alltäglichen Verpflichtungen und Aufgaben. Wichtig ist das, wofür ich brenne. Leidenschaftlich nach ein bis fünf Brückenschoppen die Festung hinaufwandern und auf Würzburg schauen, mit Freunden im Examenstief gemeinsam am Ende der Welt essen und den Arbeitsplatz spontan verlegen, eine Freundin zum Geburtstag überraschen, im Moment des Gehens noch eine Lebensgeschichte anhören, mich am Sonntagfrüh in die Kirche quälen und meinen Geist öffnen, Grenzen überwinden, mich fallen lassen, gehen, wenn es Zeit dafür ist.

Es ist Zeit: Nun gehe ich also nach vielen geteilten Worten und Gefühlen mit dieser Internetseite. Von Herzen Danke für’s Mitlesen und Rückmeldungen geben. Auch das Schreiben an der Dornroeschenwelt hat mir gezeigt, was mir wichtig ist: Letztlich Gesundheit und Glücklichsein dann und wann – beides noch mehr für die, die mir am Herzen liegen. Und der Segen unseres Gottes.

Bis wir uns wieder sehen, behüt‘ Euch Gott.

 

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