Ohne Worte

Maria 2.0 – im Moment in aller Munde. Es ist ja auch etwas ganz besonderes: Eine Gruppe von Frauen hat eine Bewegung in Münster begründet, die sich zur Aufgabe gemacht hat, über ihre Vision der Kirche von morgen zu reden und zu schreiben, für sie kreativ einzustehen und zu beten. Und darüber hinaus: Zu streiken in dieser Kalenderwoche.

Ich wiederum, Frau in dieser katholischen Kirche, noch dazu Theologin, sitze an diesem 15. Mai an meinem PC und arbeite genau für diese Kirche. Ich schreibe diesen Blog und stehe in meinen Seminaren und vertrete die katholische Lehre. Nein, ganz offenbar streike ich nicht.

Und doch denke ich so viel nach: Über das Schweigen und das Öffentlich Machen, über mich zwischen Lehramt und meiner Vernunft, meinen Studien, meiner Erfahrung, meiner Intuition, meinem Herzen. Es gibt einen ganz klaren Rahmen, in dem ich mich bewege, den ich großteils genau kenne, und ja, ich vertrete seit Jahren die Position, dass es immer Möglichkeiten und Wege gibt, kritisches Potenzial unterzubringen – in der Kirche oder in kirchlich assoziierten Strukturen. Denn es sind ja die Gläubigen, die diese Kirche, der Leib Christi, sind. Und doch bleibt da ein nagendes „Aber“. „Aber wenn ich doch mal einen Job haben will und mir kommt dann mein Kommentar von vor 14 Jahren in die Quere“, „Natürlich kann ich leben, wie ich will, aber wenn es jemanden gibt, der da nachbohrt, habe ich ein Problem“. Jetzt gerade in dem Moment des Schreibens: „Ich hätte es doch nicht thematisieren sollen – wer weiß, was ich noch gerne tun würde.“

Auch Relativierungen finden sich schnell. „Es ist ja wie in jedem anderen Unternehmen, man muss eben loyal sein“, „Schließlich hast Du gewusst, worauf Du Dich einlässt“, „Kritisch zu sein ist doch Aufgabe der akademischen Theologie“, „Den Blog liest ja eh kaum jemand“, “ Dann wirst Du eben Konditorin“.

Nein, so einfach ist es aber eben nicht. Denn mir liegt etwas an dieser Kirche, sie ist für mich nicht nur Teil meiner Biographie und Identität, sie ist ein Stück Heimat. Ich glaube fest daran, dass in ihr der Heilige Geist wirken kann und durch die Menschen und die Institution die Welt zu einem besseren Ort werden kann. Und ich bin fest überzeugt, dass es Wandel und Wunder geben kann und dass wir noch nicht am Ende angekommen sind. Einerseits: Wer bin ich, dass ich bestimmen kann, was richtig, wahr und gut ist? Aber andererseits auch: Wer sind andere Menschen in unserer Glaubensgemeinschaft, dass sie sich einbilden, es alleine oder in kleinen Zirkeln wissen zu können? Wie können sie sich so sicher sein?

Ich lächle immer über die staundende Frage, wie ich „als Frau“ in dieser Kirche „alter Männer“ arbeiten wollen könnte, in diesen Machtstrukturen, mit diesen Restriktionen, dieser Morallehre. Lange Zeit habe ich gesagt, dass es mir Spaß macht, ich die Theologie faszinierend finde, ich mich mit meinem kritischen Geist einbringen will. Und, dass es für mich undenkbar wäre, ihr den Rücken zu kehren. Inzwischen sage ich immer öfter: „Ich weiß es nicht. Aber vielleicht findet sich für mich ein gutes Plätzchen in der Nachfolge Jesu, an dem ich richtig bin und an dem ich gebraucht werde.“

Ja, es ist gar nicht so einfach, so was wie Berufung zu spüren. Und noch viel schwieriger ist es, sie zu leben. Aber wenn ich von Maria 2.0 was gelernt habe, dann ist es genau dieses: Aufgeben kommt nicht in Frage!

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