Alles steht Kopf

Jetzt ist es nicht mal mehr eine Woche bis Weihnachten. Mein letzter Eintrag von vor zwei Wochen war ja doch ein bisschen kritisch in Bezug auf den Umgang unserer Gesellschaft und Wirtschaft mit der Adventszeit, die ja eine Vorbereitungs- und eigentlich sogar Fastenzeit ist.  Und es hat mir gut getan, diesen Text zu schreiben. Zum einen konnte ich so meinen Ärger ein bisschen äußern und zum anderen habe ich mir dann auch bewusst über mein eigenes Verhalten Gedanken gemacht und mich dann an meinen Text erinnert, wenn ich mal wieder gestresst und genervt auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken durch die Innenstadt von Würzburg gestiefelt bin.

In den letzten zwei Wochen ist mir ein Gedicht von Iris Macke häufiger begegnet. Per WhatsApp habe ich es von zwei Freundinnen unabhängig voneinander geschickt bekommen und im Würzburger Dom wurde es im Rahmen der Predigt erwähnt. Es wirkt auf den ersten Blick sehr resignierend angesichts gesellschaftlichen Gestaltung der Adventszeit:

Advent heißt Warten
Nein, die Wahrheit ist
Dass der Advent nur laut und schrill ist
Ich glaube nicht
Dass ich in diesen Wochen zur Ruhe kommen kann
Dass ich den Weg nach innen finde
Dass ich mich ausrichten kann auf das, was kommt
Es ist doch so
Dass die Zeit rast
Ich weigere mich zu glauben
Dass etwas Größeres in meine Welt hineinscheint
Dass ich mit anderen Augen sehen kann
Es ist doch ganz klar
Dass Gott fehlt
Ich kann unmöglich glauben
Nichts wird sich verändern
Es wäre gelogen, würde ich sagen:
Gott kommt auf die Erde!

Dieses Gedicht würde man jetzt auf den ersten Blick nicht als ein Adventsgedicht bezeichnen. Aber eben nur auf den ersten Blick. Denn eine kleine „Regieanweisung“ am Ende des Textes verändert alles. Da steht der einfache Satz: „Und nun lesen Sie den Text von unten nach oben!“
Der Titel dieses Gedichtes lautet „Perspektivwechsel“ und eigentlich ist damit auch das Wichtigste schon gezeigt. Oft lohnt es sich, einmal den Blickwinkel zu ändern, oder die Dinge (und manchmal vielleicht auch sich selbst) mal auf den Kopf zu stellen, um mal ganz neue, ganz andere Seiten wahrnehmen zu können.

Photo by Randy Jacob on Unsplash

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