Way back home

Ich schreibe hier ja immer über das, was mich in diesem Moment am meisten bewegt. Das ist heute ziemlich einfach zu beantworten: mich hat das Fernweh gepackt. Aber irgendwie ist dieses Fernweh auch gleichzeitig Heimweh, was sich ziemlich paradox anhört. Ich sollte vielleicht lieber von vorne anfangen.

Wie schon einmal erwähnt war ich in den letzten paar Tagen in Südengland unterwegs und bin erst seit kurzem wieder im Lande. Jetzt ist ja England eh immer eine Reise wert (da kann auch der Brexit nichts dran ändern), aber für mich ist es etwas ganz Besonderes. Durch eine Pfarreienpartnerschaft meiner Heimatpfarrei mit einer anglikanischen Pfarrei in der Nähe von London haben sich viele Kontakte auf die Insel ergeben. Aus einigen dieser Kontakte sind im Laufe der Zeit gute Freundschaften geworden, obwohl man sich ja aufgrund der Distanz eher selten sieht. Nach England gehen heißt für mich deshalb auch immer Freunde treffen und Wiedersehen feiern. Bei meiner jetzigen Fahrt war dieses Gefühl allerdings nochmal intensiver, vor allem, als es am Ende dann ans Abschied nehmen ging.

Zum einen liegt das daran, dass ich dieses Mal nicht mit einer deutschen Gruppe, sondern alleine dort war. So sehr ich die großen Partnerschaftsreisen mit einer größeren Gruppe auch immer genieße, so angenehm war es jetzt trotzdem, auch mal alleine unterwegs zu sein und eine komplette Woche alleine in einer englischen Gastfamilie mit zu leben. Ich wurde dann auch gleich als „family member“ mit in die Familie aufgenommen. Auch das Wiedersehen mit vielen Freunden und Bekannten aus dem Ort, die ich teilweise zwei Jahre lang nicht gesehen habe hat das Gefühl des Heimkommens unglaublich verstärkt.

Was mich allerdings am meisten berührt hat, war ein ökumenischer Gottesdienst, der für die ganze Stadt etwas besonderes war. Der Gottesdienst wurde offiziell als Remembrance service gefeiert, also in Erinnerung an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Das Besondere an diesem Gottesdienst war aber eigentlich ein Tor. Dieses Tor verbindet die anglikanische Pfarrkirche (sh. Beitragsbild) mit einer direkt angebauten katholischen Kapelle, die auch die Grablege der ortsansässigen Herzöge ist. Zum letzten Mal geöffnet war der Durchgang zwischen den beiden Kirchenräumen im Jahr 1995. Jetzt, im November 2018 wurde dieses Tor als Zeichen der Einheit und des Friedens unter den Menschen geöffnet, um nach dem Wortgottesdienst in der anglikanischen Kirche in die katholische Kapelle zu ziehen. Hier wurde dann der Opfer des Ersten Weltkriegs und aller Opfer von kriegerischen Auseinandersetzungen gedacht. Jetzt war ja alleine das Öffnen der Tür schon ein starkes Zeichen für den ganzen Ort. Für mich gab es aber noch eine andere Besonderheit, von der ich auch schonmal kurz geschrieben hatte. Ich wurde gefragt, ob ich im Gottesdienst eine der Lesungen lesen würde. Und das hab ich deutsche (!) Katholikin, in dem ökumenischen Gottesdienst zum Jahrestag des Weltkriegsendes dann auch getan. Ich war zwar tierisch aufgeregt, aber das Zeichen der Gemeinschaft unter den Nationen ist bei den rund 400 Gottesdienstbesuchern deutlich und positiv angekommen. Dieser Gottesdienst war ein Erlebnis, das mich wirklich tief berührt hat.

All diese Erfahrungen und Erlebnisse haben dann dazu geführt, dass ich gestern auf dem Weg zum Flughafen doch ein paar Tränchen verdrückt habe, da die Zeit einfach viel zu schnell vergangen ist. Und es ist kein Fernweh nach England, das ich jetzt nach meiner Rückkehr habe. Es ist Heimweh.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: